Als Amusebouches gibts Schafgarben-Butter oder Kräuterquark auf Darvida-Brötchen. Es kann
aber auch mit Sauerampfer- und Weidenröschenstengel gedippt werden. Frittierte Holunderblüten und
eine Brennnessel-Suppe machen die eigentliche Vorspeise aus. Zum Hauptgang werden mit Thymian,
Wegerich, Brennnesseln und guter Heinrich gewürzte Frikadellen serviert. Das Dessert – Kompott aus
Plackenstengeln mit Vanillesauce und wilden Erdbeeren - rundet das Alpenfrühlings-Menu ab.
Wer von Lisa Engler auf der Bettmeralp eingeladen wird, kann was erleben. Essen ist bei ihr nicht
einfach Nahrungsaufnahme. Essen ist Erlebnis, Abenteuer, Gaumen- und Sinnesfreude zugleich.
Convenience-Food oder Süpplis aus dem Päckli sind für die gebürtige Baslerin mit Appenzeller Wurzeln
tabu. „Es kommt nur auf den Tisch, was ich selber angebaut oder vor der Haustüre gesammelt habe“,
erzählt sie. Und Zutaten für ihre aussergewöhnlichen Gerichte gibts von Frühling bis Herbst jede Menge.
Die einmalige Blumen- und Kräuterlandschaft im Aletschgebiet ist Lisa Englers Supermarkt und
Arbeitsplatz zugleich.
Vor acht Jahren kam sie auf die Bettmeralp. Besser gesagt, es hat sie ins malerische Dorf auf der
Sonnenterrasse am Aletschgletscher verschlagen. Sie, die während Jahren die ganze Welt mit Zelt und
Rucksack bereist hatte, wollte notgedrungen – das Geld ging aus – in der Schweiz wieder sesshaft werden.
Ein Wintersaison-Job in einer Bar oder als Hilfsskilehrerin sollte den Abschluss der letzten
eineinhalbjährigen Reise durch die USA, Mittelamerika und der Schweiz bilden, und gleichzeitig auch
sanfter Einstieg zurück in den Alltag sein. „Idee und Initiative für den Stopp auf der Bettmeralp ging
von meiner Freundin und Reisepartnerin aus. Ich liess mich einfach mitziehen und kam ohne grosse
Erwartungen und Vorstellungen ins Wallis“, erzählt Engler.
Welch schicksalhafter Entschluss. Aus dem einen Winter wurden bis heute acht. Und weitere werden
folgen. Denn im 300-Seelen-Dorf mit den fünftausend Gästebetten auf 2000 Meter über Meer ist die
Weltenbummlerin sesshaft geworden. Hier hat sie ihren Lebensgefährten getroffen.
Hier hat sie ihr Hobby, ihre Leidenschaft, zum Beruf gemacht.
Kräuterfrau sei sie, sagt sie, wird sie nach ihrem Beruf gefragt. Eine viel zu bescheidene Antwort.
Ein-Frau-Unternehmerin, Produzentin, Kreateurin, Phyto-Therapeutin umschreiben ihre momentanen
Tätigkeiten schon eher. „Mein Büchergestell war schon immer voll mit Literatur über Pflanzenheilkunde,
Pflanzenmythologie oder Kochen mit Kräutern. In meinem ersten Frühling und Sommer auf der Bettmeralp
realisierte ich dann, dass ich all das Geschriebene eins zu eins vor meiner Haustüre vorfand.“
Die Neugier war geweckt, Lisa Engler wollte Praxis und Theorie verbinden und absolvierte in einem
eineinhalbjährigen Lehrgang die Ausbildung zur Phyto-Therapeutin. „Ich hab gelernt, Teerezepturen
zusammenzustellen, Tinkturen und Salben zu machen. Aber auch über die Heilkraft von Kräutern und
Pflanzen hab ich viel mitbekommen.“ So wurde sie zur Kräuterfrau.“
Lisa Engler gründete ihre Firma „Löwenzahn und Alpenrose“ (www.loewenrose.ch.). Sie, die Praktikerin,
wollte ihr Wissen an Interessierte eins zu eins in der Natur weitergeben. Zum Beispiel in der
erfolgreichen „Bergblumen- und Kräuterwoche“ oder an wöchentlichen Kräutertagen. „Wir sammeln,
lernen die Pflanzen erkennen und wie man sie anwenden oder essen kann. Ich finde es spannend, den
Menschen die ganze Flora vor der Haustüre wieder näher zu bringen und sie für Umweltthemen zu
sensibilisieren.“
Als zweites Standbein produziert Engler als Ein-Frau-Betrieb Lippenpomade aus Melisse, Thymian-,
Ringelblumen- und Arnikasalben, Massageöl, Löwenzahnblüten- und Alpenkräuterhonig, roter Holunder-,
wilder Pfefferminz- und Johanniskrautsirup und verschiedenste Liköre. „Ich mach vom Anfang bis zum
Schluss alles alleine. Ich sammle, lege ein, koche, fülle ab und etikettiere.“ Klar hat die kreative
und initiative Allrounderin auch die Verkaufsgestelle selber geschreinert. An den Kiosken, in den
Sportgeschäften und teilweise auch in Hotels können die einzigartigen, mit viel Herzblut hergestellten
Produkte gekauft werden.
Tourismusbüro, CH-3992 Bettmeralp
Tel. +41/27 928 60 60
Fax +41/27 928 60 61
www.bettmeralp.ch, info@bettmeralp.ch
Page updated: 11.02.2008
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